Ludwig Oechslin

Ludwig wollte Uhrmacher werden. Er war bereits  Doktor der theoretischen Physik und hatte griechische Sprache und Archäologie studiert, als er eines Tages an der Basler Antiquitätenmesse eine Taschenuhr suchte. Eine Viertelstundenrepetition in einem schlichten Silbergehäuse hatte es ihm angetan. Der monetäre Inhalt seiner Gilettaschen entsprach jedoch nicht der Vorstellung des Verkäufers. So beschloss Oechslin sich die Uhr eben selber zu bauen.  Noch besser natürlich eine, die genau seinen Vorstellungen von einem praktischen Zeitmesser entsprach.

Während seiner Lehrzeit bei Meister Spöring in Luzern konnte Ludwig seinen wissenschaftlichen Hintergrund und sein fotografisches Gedächtnis nutzen und restaurierte die Farnesianische Uhr in der Bibliothek des Vatikans. Im Anschluss realisierte er eine dreiteilige Dokumentation über diese bedeutende astronomische  Monumentaluhr.

Seine Erfahrungen mit astronomischen Funktionen setzte er in der Folge in einer Trilogie für Ulysse Nardin um: Planetarium Copernicus, Tellurium Johannes Keppler und Astrolabium Galileo Galilei. Die Funktion des Datums in seinen verschiedenen Zeithorizonten ist eines der liebsten Denkfelder von Oechslin. Er  hatte für die Marke aus Le Locle  den einzigen Ewigen Kalender realisiert welcher im Jahr 2100 von seinem Träger mit einem lockeren Drehen der Krone für die folgenden 100 Jahre vorbereitet werden kann. Die Weckeruhr Sonata lässt zwei Zeitzonen erleben, wobei die aktuelle Lokalzeit mit einem Fingerdruck stundenweise angepasst wird. Der Alarm ist auf die Minute einstellbar und klingelt, nachdem er um sechs Uhr früh in der Schweiz geweckt hat, auch am nächsten Morgen, nun in New York, zur selben Zeit - natürlich als dortige  Lokalzeit. Das Umstellen der Zeitzone genügt!

Seit 2003 ist Ludwig Direktor des Musée International d’Horologerie und arbeitet in dieser Funktion in einem 60-Prozent-Pensum. Die weitere Arbeitszeit und manchmal etwas mehr investiert er nun in die Firma ochs und junior.

„Die 95%, welche für mich wichtig sind, will ich perfekt haben – der Rest ist menschlich.“

Oechslin hat dies am Beispiel des Prototyps für eine astronomische Tischuhr erläutert, der unter vielen weiteren einzigartigen Stücken in seinem Atelier entstanden ist. Die neu erdachte Ewige-Kalender–Funktion, die irgendwann mal vielleicht auch für eine Armbanduhr genutzt werden könnte, zeigte die Wochentage linear an. Die dabei verwendeten Abkürzungen verwiesen auf die englische Sprache_- bis auf die Buchstabenkombination für den Sonntag, die den deutschen Begriff repräsentierte: Mo, Tu, We, Th, Fr, Sa, So. Ludwig freut sich jeweils über solche kleinen Details, die aufzeigen, warum das Streben nach reiner Perfektion auch immer die Frage des Blickwinkels und des Fokus ist und somit auch Überraschungen bereithält.

Wenn Vico seinen Zwicker, den er seit seinem 16. Lebensjahr trägt, auf seinem Nasenflügel etwas weiter unten positioniert,  seine massgefertigte Mütze zurechtrückt und einen seiner Prototypen erklärt, ist dies immer ein emotionaler Moment. Die Kraft hinter seinen Ideen, die Klarheit und Logik, die er seinen Konstruktionen schenkt, ist geradlinig und puristisch.

Ludwig konstruiert im Kopf. Wenn das Konzept steht, zeichnet er dieses auf dem Computer, fräst auf seiner CNC-Maschine die Prototypen und macht die Neuheit uns Mitarbeitern verständlich. Grundsätzlich faszinieren ihn Dinge, welche er in seinem Leben anwenden kann und die es in dieser Form und Funktion noch zu erfinden gibt. Techniken, die bereits seit Jahrhunderten vorhanden, interessieren ihn in seiner Rolle als Direktor des Musée International d’Horologerie von Berufes wegen. Er selber realisiert jedoch lieber das Neue.

Design, Entwicklung, Technik & mehr...
La-Chaux-de-Fonds
www.ochsundjunior.ch

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